Mit diesem Transparent und diversen Schildern demonstrierten am Samstag, den 24. April, zwischen 40 und 60 „Querdenker:innen“, Reichsbürger:innen und Corona-Rechte im Emder Stadtgarten. Einige der Inhalte, die dabei in Schriftform kundgetan wurden, waren weniger offensichtlich nicht harmlos. Doch andere Schilder, ebenso wie die abgespielte Musik, die Rufe der Demonstrant:innen sowie die Worte des Redners zeigten eindeutig, dass es sich hierbei um eine Aktion aus dem verschwörungsideologischen Spektrum handelte und nicht um einfache Kritik an einzelnen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.
Um etwa 15:30 Uhr startete die Demonstration wie angekündigt im Emder Stadtgarten. Der Veranstaltungsort war mit Flatterband abgesperrt und an allen Seiten standen Polizeibeamt:innen mit Blick auf die Teilnehmer:innen, von denen viele eine Maske trugen. Gerne wurde diese jedoch unter der Nase getragen. Der Redner und mutmaßliche Anmelder verlas zunächst die Auflagen. Im Anschluss daran berichtete er von schweren Corona-Verläufen und einem Todesfall unter ihm bekannten Menschen. Er versuchte sich damit dem Vorwurf, das Coronavirus zu leugnen, zu entziehen, nur um unmittelbar danach zu behaupten, dass das alles noch längst noch keine Pandemie mache, es keine Pandemie gebe.
Moin aus #Emden. Hier findet gerade eine Demonstration aus dem verschwörungsideologischen Spektrum statt. Weitere Eindrücke folgen. #emd2404 pic.twitter.com/2zHqWkHfdH
— @RN!OFO (@ofo_rn) April 24, 2021
Nach weiterem in der Szene typischen Gerede stellten alle Teilnehmer:innen sich auf, um den geplanten Demonstrationszug zu starten. Während dieses Umzugs wurde immer wieder der von ähnlichen Aktionen schon länger bekannte Ruf „Frieden, Freiheit, Demokratie!“ angestimmt.
Nachdem die Teilnehmer:innen wieder am Ursprungsort ankamen, wurde die Abschlusskundgebung eingeleitet. Der Redner ließ es sich dabei nicht nehmen die derzeitige Situation mit der Machtergreifung der Nazis 1933 gleichzusetzen und zu behaupten es fehle nicht mehr viel, um von einem neuen 33 sprechen zu können. Diese Worte stellen eine Relativierung des Nationalsozialismus dar, die inzwischen leider ebenfalls schon sehr häufig aus dem verschwörungsideologischen Spektrum zu vernehmen war. Es folgten Applaus und ein erster „Merkel muss weg!“-Ruf, dem sich wenig später weitere anschlossen. Nennenswert: Der erste Ruf stammt mutmaßlich vom AfD-Vorsitzenden in Ostfriesland, Reiner Osbild, der sich offenbar ebenfalls an der Demonstration beteiligte und über längere Zeit ein Schild mit der Forderung Saunen und Bäder wieder zu öffnen hochhielt. Zum Abschluss wurde, wie bereits einige Male zuvor, Musik abgespielt, u. a. von Xavier Naidoo.

Viele der hochgehaltenen Schilder waren bereits bei Protesten im Wilhelmshavener Umfeld zu sehen und das große Transparent, was oben im Beitrag zu finden ist, verweist explizit auf Verbindungen in die friesische Stadt, denn darauf ist der für interessierte verschwörungsgläubige Personen zu suchende Name der Telegram-Gruppe „Wilhelmshaven unter sich“ zu finden. In dieser Gruppe tummeln sich u. a. Reichsbürger:innen.
Die "Freunde aus Wilhelmshaven" – Coronarechte, Reichsbürger:innen, QAnons -, die den geplatzten Flashmob in #Aurich unterstützen wollten, haben wohl umdisponiert und sind gestern in #Esens und #Emden aufgeschlagen. #emd2404 https://t.co/5fq61w3UZf
— @RN!OFO (@ofo_rn) April 25, 2021
In der Gruppe wurde die Demonstration als Erfolg gewertet. Ebenso eine andere, angebliche Aktion in Esens: Ein in Aurich geplanter Flashmob mit „Freunden aus Wilhelmshaven“ ist im Vorfeld aufgeflogen und wurde vermeintlich abgesagt. Nach eigener Aussage versuchten die Corona-Rechten es dennoch in Aurich, sahen aber aufgrund des dortigen Polizeiaufgebots davon ab und orientierten sich kurzer Hand nach Esens um, wo sie wohl nicht gestört wurden.
Obwohl die Aktion aufflog, wurde die Durchführung des Flashmobs in Aurich angeblich versucht, aufgrund eines großen Polizeiaufgebots aber nach Esens verlegt. Dort konnten die Teilnehmer:innen laut eigener Aussage ungestört vorgehen. pic.twitter.com/GGcIvl4zvj
— @RN!OFO (@ofo_rn) April 25, 2021
Für heute, den 25. April, geplante dezentrale Aktionen in Leer haben unseres Wissens nach nicht stattgefunden. Zumindest war in der Innenstadt nichts zu sehen.
Weitere Impressionen der Demonstration in Emden: https://www.flickr.com/photos/192834399@N02/albums/72157719022856364/with/51138348039/
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