Wie Rechte und Karpfen angefüttert werden können, zeigt der prominente Angel-Aktivist Matze Koch. Mit mehr als 70.000 Personen, denen seine Facebook-Seite gefällt, noch mehr Abonnent:innen dort sowie einigen weiteren Tausend bei Instagram hat einer der bekanntesten – wenn nicht gar der bekannteste – Angler Deutschlands eine enorme Reichweite. Diese wird durch Youtube-Videos mit mehreren Hunderttausend Aufrufen unterstrichen. Erst kürzlich drehte sogar der NDR einen Beitrag mit ihm.
Immer häufiger nutzt er diese Öffentlichkeit, um sich fernab des Angelns zu äußern, bspw. zu seinem christlichen Glauben, den er wie den Luthers, nämlich als bibeltreu bezeichnet. Mal verbunden damit, mal ohne Erwähnung seiner religiösen Überzeugungen bezieht er Stellung zu den Corona-Maßnahmen. Inhaltlich offenbart er eine Ablehnung, die teilweise anschlussfähig an die „Querdenken“-Bewegung ist und damit gerade von Personen, die diesem Spektrum nahe stehen, bejubelt werden dürfte.
In einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten aus dem Jahr 2015 erzählt Koch, wie er sich zunächst durch Artikel in der Angel-Zeitschrift „Fisch & Fang“ und später durch Video-Beiträge für beigelegte DVDs einen Namen gemacht hätte. Die Videos werden immer wieder bei Youtube hochgeladen und erreichen des Öfteren bis zu 100.000 Menschen, manchmal mehrere Hunderttausend. Seine Beliebtheit führte dazu, dass die Firma Balzer Angelprodukte unter seinem Namen verkauft und er sein Hobby zum Beruf machen konnte. Auf seiner Facebook-Seite beschreibt er sich als Journalisten, bei Instagram konkret als Angelsportjournalisten.
„Menschenfischer“ und Pastor
Bereits seit Jahren macht Koch keinen Hehl aus seinem christlichen Glauben. Regelmäßig veröffentlicht er religiöse Texte, seit einiger Zeit Videos. Diese verbreitet er meist sonntags auf seinem eigenen Youtube-Kanal und beschreibt sie im Titel u. a. als Andachten. Eine solche Andacht ist auch folgendes Video, gedreht bei der KZ-Gedenkstätte Esterwegen, in dem er über Hitler und die Nazis aus, wie er sagt, biblischer Sicht spricht und sich damit wohl gegen Vorwürfe, dass er Teil des rechten bzw. rechtsextremen Spektrums sei, wehren möchte.
Ob es ihm durch den Beitrag gelingt, sei, zurückhaltend formuliert, dahingestellt. Auf seinem Kanal finden sich auch Predigten, die er als Pastor bspw. bei freien christlichen Gemeinden hält. So hielt er offenbar explizit für an seinem Glauben interessierte Personen, die seine Leidenschaft, das Angeln, teilen, Vorträge und möchte, wie er gegenüber dem Medium „mittelhessen“ mitteilte, seine Zuhörer:innen zum persönlichen Glauben an Gott einladen, wozu er außerdem Fachmessen, seine Bücher und Autogrammkarten nutze.

Nun könnte gemeint werden: Es ist nichts Verwerfliches, die eigene Reichweite für andere Dinge zu nutzen wie eben auch den Glauben an Gott. Doch hier hört es nicht auf, denn Koch nutzt seine religiösen Überzeugungen mutmaßlich zur Legitimation nicht gerade als weltoffen geltender Aussagen sowie zur Kritik an den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Kritik daran wird wiederum belächelt oder in womöglich satirisch gemeinten Videoausschnitten aufgefasst, deren Inhalte in radikalerer Ausdrucksweise an die Aktion #allesdichtmachen erinnern, die Koch vehement verteidigt. Dazu bemüht er Vergleiche zu den Nazis und deren Machtergreifung 1933. Derartige, den Nationalsozialismus relativierende Aussagen, treten seit einem Jahr vermehrt im Zusammenhang mit Demonstrationen, anderen Aktionen und Nachrichten in Telegram-Gruppen der selbsternannten „Querdenker:innen“ auf. Dabei lehnte Koch selbst vor einigen Jahren noch Relativierungen des Nationalsozialismus bzw. der Shoa ab und kritisierte damit explizit die Tierrechtsorganisation PETA, wie im folgenden Video auf dem Kanal von „Fisch & Fang“ ab Minute sechs zu hören ist.
Homosexualität, Islam und Corona
In einem Facebook-Beitrag aus dem Jahr 2016 wirbt er für eine seiner Veranstaltungen, einen „Kennenlerntag“ in der Nähe von Celle, und schreibt, wie oben bereits erwähnt, dass er sich an der Bibel orientiere, womit er als fundamentaler Christ bezeichnet werden kann. Menschen, die – Zitatausschnitt – „stumpf behaupten, „Matze Koch hat was gegen Schwule“, weil sie das aus dem Vergleich „Was darf ein Schwuler und was darf ein Christ“ voreingenommen schließen“, waren wohl besonders willkommen, um angebliche Missverständnisse aus der Welt zu räumen. Dieser Satz mutet merkwürdig an, zumal es sich eher nicht wie eine entschiedene Distanzierung von Homosexuellenfeindlichkeit liest, sondern als Rechtfertigung für Überzeugungen, die darunter fallen könnten. Insbesondere, da in der Erwähnung der Themenauswahl die Fragestellung „Ist Homosexualität angeboren wie Hautfarbe oder Rasse?“ untergebracht ist, die darüber hinaus noch impliziert, dass es menschliche Rassen geben würde. Weitere Themen waren, wie – nicht ob – sich die „Flüchtlingswelle“ auf „unser“ Land und „unseren“ Glauben auswirke, der Islam friedlich sei, dessen Anhänger:innen den gleichen Gott wie christliche Menschen anbeten würden und ob es in dieser angeblich unsicheren Zeit noch Sicherheiten gebe. Im Kommentarbereich führt er seine Ansichten zum Islam aus. Es ist fragwürdig, inwieweit Matze Koch zu diesen Themen etwas Konstruktives beizutragen hat, zumal die Fragestellungen durchaus mindestens als reißerisch bezeichnet werden können.
Um sich einen Eindruck über seine Meinungen zur Corona-Pandemie bzw. zu den Corona-Maßnahmen zu verschaffen, können die zum Teil bereits verlinkten Videos und Beiträge sowie einige weitere herangezogen werden. Sie offenbaren, wenn etwa der Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach als „Klabauterbach“ bezeichnet oder dazu geraten wird statt auf Expert:innen auf den eigenen, natürlichen Menschenverstand zu hören, eine mutmaßliche Wissenschaftsfeindlichkeit. Das Coronavirus sei sinngemäß mehr oder weniger eine Strafe Gottes, die womöglich durch eine angeblich ungläubige Bevölkerung oder Menschheit erklärt werden soll. Koch hat des Weiteres wohl keine Bedenken in Militäruniform und damit militaristisch aufzutreten.
NS-Vergleiche und eine angebliche Bedrohung von links
Ein genauerer Blick sollte außerdem noch auf seine Haltung zur – wie Recherchen andeuten – „Querdenken“ nahen Aktion #allesdichtmachen geworfen werden. In einem, wie es scheint, spontanen Video bezieht er an einem Gewässer dazu Stellung, verteidigt den Schauspieler Jan Josef Liefers und die Aktion.
Auf Kritik an seiner Einschätzung reagierte er sowohl bei Facebook als auch bei Instagram mit NS-Vergleichen. Auf Facebook wurde er noch ausführlicher und nannte als Treiber angeblicher Entwicklungen, die der Zeit ab 1933 ähneln würden, „Links“ und „Grün“. Der Rechtsextremismus sei demnach ein kleineres Problem.
Es ist offenkundig, dass Matze Koch seine durch das Angeln entstandene Reichweite bewusst für die Verbreitung seines Glaubens und seiner Ansichten zu gänzlich anderen Themen nutzt. Wie in diesem Beitrag hoffentlich klargeworden ist, sind seine Meinungen problematisch, da sie mindestens rechtsoffen und anschlussfähig an das verschwörungsideologische Spektrum sind.








