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„Ostfriesen dürfen das…“ – Wie eine einst harmlose Facebook-Gruppe von Rechten gekapert wird

Seit Januar dieses Jahres werden nicht länger Beiträge zum Schmunzeln in der bis dato nicht weiter auffälligen Facebook-Gruppe „Ostfriesen dürfen das…“ veröffentlicht. Was dort inzwischen geschrieben wird, finden wohl nur noch Corona-Leugner:innen, verschwörungsgläubige Personen und andere Menschen, deren Weltbild als extrem rechts beschrieben werden kann, zum Lachen.

Reinhard Hartwig, Besitzer eines Anwesens in Schortens, Landkreis Friesland, zu dem u. a. ein Bio-und Hofladen, ein Ferienhaus und ein Cafe zählen – zum Verkauf des Anwesens schrieb sogar der NDR einen wohl nicht mehr abrufbaren Bericht, in dem nicht weiter auf Hartwigs sonstiges „Engagement“ eingegangen wurde -, wurde zum neuen Admin auserkoren. Besser gesagt: Er drängte sich selbst auf. Mit einem Statement kündigte er in der Gruppe an, wie es dort künftig zu laufen habe. Er habe den bisherigen Admin „Lothar“ immer dafür bewundert, wie dieser die Meinungsfreiheit respektiere und ihm angeboten bei der Moderation zu unterstützen. Als Qualifikation dafür nannte er, dass er bereits zehn Gruppen und Seiten betreue, in denen es zivilisiert zuginge. Er führe „Keywords“ ein, darunter Nazi und Schwurbler. Beiträge mit diesen Worten würden gelöscht werden, damit Andersdenkende keiner Diskriminierung ausgesetzt seien. Seitdem hat eine laute Minderheit das Wort, die Inhalte aus dem verschwörungsideologischen wie rechtsextremen Spektrum teilt und damit versucht die mehr als 7.000 Personen umfassende Gruppe zu instrumentalisieren. Kritik unerwünscht.

https://twitter.com/Meinsenfdazuu/status/1354799635265540103 https://twitter.com/Komodo_rhino/status/1379540743757438982?s=19

Viele Personen sind eher inaktiv, schreiben in der Gruppe nichts und lesen vielleicht nicht einmal mit. Es gibt eine neue, sich distanzierende Gruppe, ebenso wurde in der Facebook-Gruppe „Ostfriesland gegen Rechts“ auf die Problematik aufmerksam gemacht. Reinhard Hartwig war bereits vorher aktiv, andere Nutzer:innen ärgerten sich schon über seine Beiträge. Auch haben mehrere hundert Personen die Gruppe verlassen. Soweit, so gut – könnte man meinen. Es ist offensichtlich, dass durch den „Kurswechsel“ weitere Menschen an das verschwörungsideologische Spektrum herangeführt werden sollen. Inwieweit es gelingt, kann nicht gänzlich festgestellt werden. Klar ist jedoch: Solche Gruppen dürfen nicht sich selbst überlassen werden, dafür haben sie ein zu gefährliches Potenzial. Sie müssen begleitet und öffentlich gemacht werden.

Denn in der Zwischenzeit gehört zu den aktiveren Personen in der Gruppe auch Marc vom Ort, ein wohl aus der Nähe von Dortmund stammender Neonazi. Er folgt auf Facebook sämtlichen rechtsextremen Seiten, darunter sind bspw. einige Accounts der NPD. In der Gruppe schließt er sich der Hetze und Falschinformationen gegen „die“ Regierung und die Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie an, teilt verschwörungsideologische Beiträge. Anfang der 2000er Jahre wurde er offenbar wegen der Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen verurteilt. Er soll an einer ehemaligen Kultstätte Heinrich Himmlers SS-Organisationen unter dem Motto „Ruhm und Ehre der Waffen-SS“ eine Demonstration geplant und trotz Verbots weiter dazu aufgerufen haben. Seine mutmaßliche Freundin, Jutta vom Ort, ist laut ihrem Facebook-Profil wohnhaft in Ochtersum, Landkreis Wittmund. Das könnte Marc vom Orts Auftreten in der eher lokalen Gruppe erklären. Weitere, aufschlussreiche Informationen zu vom Ort finden sich u. a. hier: https://de.indymedia.org/2003/03/47530.shtml

Die in diesem Text aufgeführten Inhalte stellen nur einen Teil dessen dar, was mittlerweile in dieser Gruppe vor sich geht, beschränken sich aber auf das Wesentliche, welches zusammengefasst wäre: Eine sich offenbar zumindest zu Verschwörungsideologien hingezogen fühlende Person wurde Admin einer zuvor unbelasteten, relativ großen Facebook-Gruppe mit Ostfriesland-Bezug und nutzt diese mit wenigen anderen – darunter inzwischen wohl mindestens ein mutmaßlicher Rechtsextremist -, um verschwörungsideologische und rechtsoffene Inhalte (u. a. von Reitschuster und Tichys Einblick) zu teilen und andere Menschen davon zu überzeugen.

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